Schon zum zweiten mal heuer, versuche ich nun diese Traverse mit Martin Sieberer. Natürlich ist es im Winter bzw. bei winterlichen Bedingungen im Frühjahr um einiges schwieriger, aber genau das wollten wir. Beim ersten Versuch im März verlor Martin beim abklettern über den Hochjochgrat ein Steigeisen, wir hatten das Glück, dass kurz danach eine Rinne zum Gletscher runter ging und der Schnee weich genug war um mit nur einem Steigeisen abzusteigen. Anschließend mussten wir den ewig langen Gletscher bis zur Skipiste raus im tiefen aufgeweichten Schnee hinter uns bringen, nichts desto trotz hatten wir eine schöne Tour.
So ging es eben wieder nach Sulden und um vier Uhr starteten wir vom Auto wieder Richtung Nordostwand. Die Schückrinne war der ideale Anstieg im Winter ohne Ski, da man über die Skipiste bis 300 Höhenmeter unterhalb des Einstiegs einfach rauf gehen kann ohne zu versinken. 
Alles lief perfekt, zwar war der Ausstieg über die Nordwand über die man die letzten Meter zurück legen muss blank, aber das bremste uns nicht wirklich. Lediglich die letzten 100 Höhenmeter zum Gipfel waren eine Wühlerei, um halb 8 erreichten wir dennoch zufrieden den Gipfel. Nach einer kurzen Rast gingen wir sofort weiter in Richtung Hochjochgrat. Es lag zwar viel Schnee, jedoch wussten wir schon wo die Abseilstellen waren. Der Grat ist recht abwechslungreich, abklettern, abseilen und das ganze ein paar mal wiederholen bis wir 150 Meter oberhalb des Cantu Biwaks leichteres Gelände erreichten. Dort glich der Grat eher einem Rücken, es war nicht mehr exponiert, man konnte einfach nebeneinander runter spazieren. Leider war der Schnee aber recht tief; im Bruchharsch sanken wir bei jedem Schritt bis zu unseren Knien ein, richtig mühsam. 
Plötzlich machte es ein dumpfes Geräusch...

31.03.2019 Fußstein Nordkante mit Überschreitung zum Olperer mit Martin Sieberer:

Während man sich auf den Normalwegen von Glockner, Wildspitze und co anstellen muss um auf den Gipfel zu kommen, genossen wir einen genialen und einsamen Tag am Berg.

Aber alles der Reihe nach...

Zugestiegen sind wir mit unseren Skiern bis unter die Nordkante, der schwere Rucksack war zwar mühsam, aber dafür konnten wir direkt zusteigen, ohne Blockwerk und Gletscherspalten wie im Sommer. Ski und Tourenschuhe deponierten wir am Einstieg und mit Steigeisen, Eisgeräten und deutlich leichteren Rucksack stiegen wir um ca 8 Uhr in die Wand ein. Im Sommer ist die Nordkante eine recht einfache Route im 4. und unteren 5. Schwierigkeitsgrad, jetzt bei winterlichen Verhältnissen relativ anspruchsvolle Mixedkletterei mit einigen M6 Passagen, genau etwas für Martin ;-). Aber wir sind uns beide einig, dass es wirklich einer der besten Mixedtouren ist, die wir je gemacht haben.
Allerdings brauchen wir so natürlich deutlich länger, die Platten sind oftmals recht heikel und man muss sehr vorsichtig und präzise Steigen.
Um 14.30 erreichen wir dann den Gipfel, machten erstmals eine Pause in der Sonne und begutachteten den weiteren Weg zum Olperer.
Der erste Abschnitt vom Fußstein in die Scharte ist ziemlich ausgesetzt und man klettert direkt an der Gratschneide ab. Hin und wieder seilten wir kurz auf ein Schneeband ab. Sobald der tiefste Punkt der Scharte erreicht wurde, war es deutlich einfacher und wir kamen flott voran. Erst kurz vor dem Olperer Vorgipfel wussten wir kurz nicht recht wohin. Wir folgten dann einer alten Spur, die die oberen Felsaufschwünge in der Südflanke umging und erreichten so den Olperer Gipfel nach nur gut 2h15min vom Fußstein.
Der Rückweg zu den Skiern war dann noch recht mühsam, dafür konnten wir dann in der Abendsonne noch ein paar Schwünge im Firn zurück zum Auto genießen!


 

27.03.2019 Langkofel Nordostwand (Pichlkante) mit Simon Messner:

Bei dir Pichlkante handelt es sich zwar um eine sehr lange Tour, mit der Bewertung 4+ aber eine eigentlich nicht schwierige Tour, sodass wir uns nicht wirklich viele Gedanken machten und auch erst um kurz vor 9 in die Wand einstiegen.
Es ging recht flott dahin und bald erreichten wir ein steiles Schnee/Eisfeld wo erstmals die Steigeisen zum Einsatz kamen. Anschließend folgte eine lange plattige 4er Länge bis wir wieder ein Schnee/Eisfeld erreichten. Dort starteten die eigentlichen Schwierigkeiten und es ging im kombinierten Gelände nach oben. Da der Fels recht plattig war kletterten wir ohne Steigeisen weiter, in der Rinne zur Pichlscharte lag jedoch immer wieder recht viel haltloser Grießschnee und machte das ganze ziemlich heikel. Auch Sicherungsmöglichkeiten fanden wir in diesem Abschnitt kaum und so mussten wir einiges am laufenden Seil klettern. 
Nach der Scharte ging es in recht steilen Kaminen in richtung Ausstieg, mit Bergschuhen und Handschuhen gar nicht mal so einfach wie man dem Schwierigkeitsgrad nach glauben möchte. Gegen 17 Uhr erreichten wir dann endlich den Grat.
Vorbei war die Tour dort aber nicht, im Sommer ein einfacher Grat im 2-3. Grat, im Moment jedoch immer wieder recht ausgesetzt mit spitzen Firnschneiden. Die letzten 100 Hohenmeter waren dann noch zu stapfen, auch hier war immer wieder haltloser Grießschnee zwischen den Felsen, sodass wir erst um 18.00 Uhr den Gipfel erreichten. An den zwar unschwierigen aber doch recht komplexen Abstieg über den Normalweg war mit nur einer Stirnlampe nicht mehr zu denken und so genossen wir den Sonnenuntergang und verbrachten eine relativ kalte Nacht in der Biwakschachtel unterhalb des Gipfels. Leider hatten wir nichts zu Essen und zu Trinken, so gestalteten sich die ersten Meter am Morgen etwas mühsam, aber wir kamen gut voran und waren am frühen Vormittag wieder beim Auto und ließen die Tour mit einem ausgibigen Frühstück in Wolkenstein ausklingen.


 

06.03.2019 Erstbegehung Lüsener Fernerkogel "Ostwand Couloir" (800m, M4, 55°)
 
Bei fast jeder Skitour in diesem Gebiet schweift der Blick immer wieder zur mächtigen Ostwand des Fernerkogels ab. Geht man darunter vorbei sticht vor allem ein Rinnensystem, das auf ca. 2250m startet und auf dem oberen Teil des Nordgrates endet, ins Auge!
Da es überhaupt nicht schwierig aussah, versuchte ich die Wand vor zwei Wochen schon einmal, alleine und mit den Ski auf dem Rücken. Ich scheiterte schon nach 150m an einem Kamin mit riesigen Schneepilzen.
Beim 2. Versuch sollte es aber klappen, ich hatte meine Bergschuhe dabei, ein 30m Halbseil, ein paar Friends und Keile um mich gegebenfalls selbst über die kurzen Mixedstufen zu sichern. Die Ski deponierte ich dieses mal unterhalb des Einstieges.
Ohne den Skiern auf dem Rücken und dem Wissen, etwas Material dabei zu haben, ging es aber gleich viel leichter und ich konnte alles seilfrei begehen. Die Kletterstufen sind auch nie lange und was in dieser Tour vor allem zählt, ist Kondition und Schnelligkeit.
Da die Wand von der Früh weg Sonne bekommt, gingen ab 10.00 Uhr bereits die ersten nassen Rutscher ab und ich war froh bereits weit oben in der Wand zu sein. Am Nordgrat angekommen, war ich von der Spurerei und der Hitze dann doch schon recht müde und die letzten 250hm zum Gipfel, wenn auch einfach, zogen sich noch ziemlich in die Länge.
Oben angekommen machte ich mich dann gleich an den Abstieg, erstens setzte der Föhn ein und zweitens musste ich 1000hm über die Skitourenabfahrt zu meinen Ski runter stapfen. Viel schneller als gedacht war ich dann wieder am Einstieg angekommen, tauschte Bergschuhe gegen Skischuhe und pünktlich um 12 Uhr, 5 1/2 Stunden nachdem ich startete, war ich wieder unten am Parkplatz.
 
Der Zustieg erfolgt über die normale Skitourenroute, bis man auf 2200 die Einstiegsrinne sieht. Anschließend immer den logischen Weg bis zum Ausstieg am Nordgrat folgen. 
Die Wand sollte nicht unterschätzt werden, die Kletterschwierigkeiten sind sekundär, aber die Wand ist mit 800m doch recht lange und anstrengend. Unbedingt auf eine sehr sichere Schneelage und tiefe Temperaturen achten, ansonsten wird´s gefährlich!
 
24.01.2019 Erstbefahrung Zwölferkogel Nordwand (via Plan B, 450m, bis 55°, 3x25 und 1x30m abseilen)
 
Wenn im Herbst noch zu wenig Schnee liegt um auf Ski vernünftig trainieren zu können und die Motivation zum Laufen nach einem langen Sommer einfach nicht mehr da ist, ist diese Wand einfach das perfekte Training für mich. Auch, weil ich nicht weit mit dem Auto fahren muss.
Nachdem ich mittlerweile jede Route in dieser Wand geklettert bin und auch die Plan B auf Speed gegangen bin (23 Minuten vom Einstieg bis zum Ausstieg), dachte ich auch immer wieder über eine Skiabfahrt durch diese Wand nach, vor allem, da ja das meiste Gestapfe ist.
Als dann letzte Woche Lawinenwarnstufe 1 ausgegeben wurde, kam mir der Zwölferkogel wieder in den Sinn. So machte ich mich gleich am nächsten Tag auf nach Kühtai und ging zuerst über die Piste, anschließend über den Nordgrat bis zur Scharte, wo man direkt in die Plan B kommt (25hm unterhalb des original Ausstieges).
Eigentlich dachte ich mir ich könnte diesen Teil recht einfach abrutschen bei dem vielen Schnee, jedoch war die obere Ausstiegsrinne total ausgeblasen und etwas eisig. Deshalb legte ich meine 60m Radline um ein Köpfel und rutschte bzw stieg die obersten 25m mit den Skiern hinunter bis man einigermaßen stehen konnte. Viel "Skifahren war es die nächsten 50m nicht wirklich, mehr eine Kombination aus rutschen, umspringen und mit den Ski abklettern, aber eigentlich machte es mir auch ziemlich viel Spaß! Als die Rinne dann breiter wurde gingen sich ein paar kurze Schwünge im Pulverschnee aus bis ich zu meinem ersten richtigen Abseiler kam.
An einem perfekten Keil seilte ich dann in 25m über die 3 kleinen Felsstufen ab. Anschließend ging es im perfekten Pulver relativ Steil die Rinne bis zu den Platten hinunter. Steilwandfahren vom Feinsten! Natürlich versteckte sich die ein oder andere Platte unter dem Schnee, mit einem guten Ski jedoch kein Problem ;-)
Leider musste ich etwas aufpassen, da in dieser Steilheit ziemlich viel Schnee mitrutschte und es dann doch etwas schneller werden könnte...
Anschließend kamen dann doch noch 2 Haken zum Einsatz und über einen kleinen Überhang seilte ich in das Schneefeld das direkt in die Rampe führt ab. Danach musste ich noch ca. 30m ziemlich exponiert in den oberen Teil der Rampe abrutschen bis ich zu einem Schlaghaken kam. diesen besserte ich noch mit einer Schlinge nach und seilte noch einmal 30m in die Rinne zum Wandfuß ab!
Die restlichen 400hm unverspurter Pulver ins Längental waren dann der reinste Genuss und der perfekte Abschluss eines spannenden Skiabenteuers mehr oder weniger vor der Haustüre!