08.06.2017 Matterhorn Nordwand (Schmidt Route, WI4+, M5, 1100m) non stop von Zermatt nach Cervinia mit Francois Cazzanelli:


Die Matterhorn Nordwand steht nun schon eine ganze Weile auf meiner Wunschliste, doch leider sind die Bedingungen seit dem Hitzesommer 2015 sehr schlecht. Nach dem schneereichen Mai sah die Wand dann eigentlich gar nicht so schlecht aus, also wollte ich es mit Francois zumindest einmal versuchen. Um das Ganze ein bischen anspruchsvoller zu machen, wollen wir in einem Push von Zermatt über die Schmidtroute von Norden zum Gipfel und über den Liongrat nach Cervinia.

Um 22.00 Uhr trafen wir uns in Martigny und fuhren nach Täsch, von dort ging es mit dem Mitternachtszug weiter nach Zermatt. Dort tranken wir noch schnell einen Kaffee in einer Disco und um halb Eins starteten wir los. Um Drei Uhr erreichten wir die Hörnlihütte, wo wir eine kurze Pause machten und die Schuhe wechselten, bevor es weiter in Richtung Einstieg ging. Francesco Ratti und Emrik Favre, zwei Freunde von Francois, die auf der Hütte schliefen, waren bereits am Einstieg der Wand.
 
Um Vier Uhr ging es dann auch für uns los. Doch bereits nach 150hm wurden wir in der Wand gestoppt, Mitten im Einstiegseisfeld tauchten plattige Mixedabschnitte auf, die gar nicht so leicht zu klettern waren und so mussten wir sehr früh schon das Seil auspacken. Mit einem Einstiegseisfeld hatte das nichts mehr zu tun, es wechselten sich Blankeis mit Platten und losen Fels ab, so brauchten wir schon ewig lange bis zum Beginn der eigentlichen Schwierigkeiten. Die Länge in die Rampe sollte eigentlich die erste Schlüsselstelle darstellen, war aber im Vergleich zu den vorherigen Längen richtig einfach, obwohl der Schnee dort bereits vollkommen durchfeuchtet war. In der Rampe hofften wir dann endlich Tempo machen zu können, doch dafür fehlte das Eis. Meistens kletterten wir leicht rechts der Rampe in relativ brüchigen Fels, Matterhorn eben. Alles zog sich ein wenig, der Ausstieg der Rampe sollte mit M5 bewertet, die eigentliche Schlüsselstelle der Wand darstellen. Der Kamin war aber nur mit durchnässten Schnee gefüllt, deshalb kletterten wir über einen Pfeiler rechts davon. Anschließend ging es durch 2017_06_08_Matterhorn_NW_min.jpgeinfacheres Gelände zur Wasserfall Länge, die aber ziemlich dünn war und wir deshalb ebenfalls rechts im Fels umkletterten. Gerade als Francois in die Länge gestartet ist, setzte heftiger Steinschlag ein, der bestimmt für eine halbe Minute andauerte. Emrik, der kurz vor meinem Standplatz war, wurde dabei von einem Faustgroßen Stein getroffen, der Helm war total zerstört, außer leichtes Kopfweh hatte er aber noch keine Beschwerden. Trotzdem schlossen wir uns mit Emrik und Francesco zu einer Seilschaft zusammen um weiteres Risiko durch die Verletzung zu vermeiden. Inzwischen hatten wir die Air Zermatt verständigt um Emrik aus der Wand zu fliegen, da er doch eine große offene Wunde am Kopf hatte. So schnell wie Möglich kletterten wir noch zwei Seillängen aus dem Gefahrenbereich und warteten auf den Helikopter. Francesco setzte seinen Aufstieg dann mit uns gemeinsam fort. Mittlerweile waren wir auch ziemlich müde, doch um 16.30 Uhr erreichten wir dann endlich den Gipfel!
 
Nach einer sehr kurzen Pause bagannen wir mit dem Abstieg über den Liongrat, der aufgrund der Erschöpfung im Nachhinein gesehen, der schwierigsten Teil der Tour war. Zu diesem Zeitpunkt war ich wirklich froh Francois dabei zu haben, immerhin ist das Matterhorn sein Hausberg und er kennt den Liongrat besser als sein Badezimmer! Um 19.30 waren wir beim Refugio Carrel, wo wir noch einmal eine Pause einlegten. Alles zog sich ewig hin doch nach einer gefühlten Ewigkeit erreichten wir gegen 22.00 Uhr endlich Cervinia!

Am nächsten Tag fuhr mich Francois mit seinem Geländewagen bis 2900m rauf, von wo ich gemütlich über den Theodula Pass zur Bergstation Trockener Steg spazierte und mit Gondel und Zug zurück nach Täsch zu meinem Auto kam.