01.09.2015 Speedrekord Piz Bernina (4049m) via Bianco Grat mit Micha Steiner:

Einen Speedrekord auf den Piz Bernina, den einzigen 4000er der Ostalpen, über den ästhetischen Bianco Grat zu machen, schwebt mir schon lange im Kopf herum. Da Micha Steiner mehr oder weniger dort zu Hause ist und ebenfalls Salomon Athlet ist, war es nur logisch, dass wir es zusammen machen würden. Außerdem wäre ein Seilpartner für den extrem spaltigen Gletscher im Abstieg über die Bellavista auch kein Nachteil!

Nachdem wir die besten Bedingungen im Juli verschlafen haben, hatte ich es eigentlich für heuer schon wieder abgeschrieben. Doch das schöne Wetter Ende August bescherte uns noch einmal recht passable Bedingungen. Also starteten wir am Dienstag den 1. September einen Versuch, dies war zugleich auch die letzte Möglichkeit für heuer, danach sollte einiges an Neuschnee kommen.

Ich fuhr also um 3 Uhr zu Hause weg und holte Micha in Samedan ab.

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Um 5.30 Uhr starteten wir beim Bahnhof in Pontresina. Die ersten 8km sind mehr oder weniger komplett flach und immer wieder mühsam, doch wir fanden ein gutes Tempo und liefen sie trotz unseren schweren Rucksack in einen 5.30er Schnitt. Danach ging es in den Steig hinauf Richtung Tschierva Hütte und den steinigen Hängen entlang Richtung Gletscher unter der Fuorcla Prievelusa. Die Randkluft war an der Felsbegrenzung mit ein paar Mixedzügen recht einfach zu überwinden und nach ca. 3h waren wir auf der Scharte die zugleich den Beginn des Bianco Grates darstellt.

Sorgen machte uns das Wetter, es war ziemlich windig und der Bernina war im dichten Nebel verschwunden. Wir berateten uns ziemlich lange (kostet natürlich Zeit, aber eine fehleintscheidung bei schlechten Wetter könnte fatal sein), entschlossen uns dann aber doch weiter zu gehen, da die Bedingungen ja gut waren. Die 150 Klettermeter im 3. Grat brachten wir flott hinter uns und kurz darauf waren wir schon mit den Steigeisen auf dem wunderschönen Firngrat unterwegs. Der Grat war zwar sehr einfach aber recht exponiert, deshalb mussten wir immer wieder gut aufpassen, dass uns nicht eine Windböe aus dem Gleichgewicht brachte. Nach 4Stunden erreichten wir den 3995m hohen Piz Bianco. Nun trennte uns nur noch der kurze aber ausgesetzte Zackengrat vom Gipfel. Also Steigeisen wieder weg. Nach 100m war dann doch wieder einiges an Schnee auf dem Grat und so blieb uns nichts anderes übrig als die Eisen wieder anzuschnallen. Weiter gings über die 2 Abseilstellen zum Gipfelaufschwung wo wir noch einmal richtig Gas geben mussten um unter 5h zu bleiben (mit dem Steigeisenwechseln und dem abseilen ließen wir doch einiges an Zeit liegen). 2015_09_01_Bernina_03.jpg

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Nach genau 4h59min standen wir dann auf dem Nebelumhüllten Gipfel, windig und kalt war es auch und so machten wir uns gleich an den Abstieg über den Spallagrat. Die Felsstufen waren alle leicht abkletterbar und so kamen wir auch recht flott voran bis wir im Gegenanstieg zur Bellavista von riesigen Spalten eingebremst werden und 100 Höhenmeter mehr als üblich machen mussten.  Anschließend war noch der kurze Fortezzagrat zum abklettern und über einen kleinen Gletscher sollte man dann auch gleich den Steig erreichen. Aber sogar der  „kleine“ Gletscher war aufgrund des heuerigen Hitzesommers mit Spalten überseht und zum Teil blank sodass wir diesen im weglosen Geröll und Gletscherschliff umgehen musste, was uns noch einmal viel Zeit kostete. Nach einer gefühlten ewigkeit erreichten wir den Steig und anschließend ging es noch über den flachen Morteratsch Gletscher und dem Wanderweg raus zum Bahnhof Morteratsch den wir nach genau 8h48min erreichten!

Was uns bei unserem Rekord wichtig war, dass wir es „by fair means“ machten, das heißt keine Hilfe von Dritten, Verpflegungsstationen und auch keine Materialdepots wie bei manchen Rekorden so üblich!


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