23.06.2014 Ortler Nordwand mit Toni Palzer:

Nachdem wir bereits am Donnerstag einen Versuch starteten und wegen Dauerregen nicht in die Wand einstiegen, entschlossen wir uns kurzfristig es am Montag noch einmal zu versuchen. Also reisten wir gleich noch am Sonntagabend an und starteten am Montag um 2.00 Uhr in der Nacht vom Auto. Nach gut 1 Stunde erreichten wir bereits den Wandfuß und stiegen möglichst schnell bis zum Flaschenhals, wo das Blankeis begann,auf. Dort seilten wir uns an und stiegen bei Sonnenaufgang durch das „Kanonenrohr“ der Nordwand durch. Wir waren etwas erleichtert, diese gefährliche Passage ohne Probleme gemeistert zu haben, uns erwarteten jetzt aber immer noch 15 Seillängen im blanken Eis.

Nach dem Flaschenhals hatten wir dann 2 Möglichkeiten:  Entweder der etwas „flachere“ Weg durch die Wandmitte oder der direkte Ertl-Weg. Gott sei Dank entschieden wir uns für die Wandmitte, 30 Minuten später donnerte nämlich eine Eislawine über den Ertlweg hinunter, was unseren sicheren Tod bedeutet hätte. Aber auch unsere Route war in Anbetracht der Länge nicht ganz ohne.

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Immer wieder stellte sich die Wand für 30-40 Meter bis zu 75 Grad steil auf, während über den Ertlweg und durch den Flaschenhals alle 30 Minuten Seracs durch die Wand krachten, was schon ziemlich beeindruckend, aber vor allem furchteinflößend war. Glück hatten wir dann nochmals nach der Querung in das letzte Wand Drittel: Wären wir 15 Minuten langsamer gewesen hätte uns diesmal eine beachtliche Steinlawine erwischt! Zu diesem Zeitpunkt wollten wir dann nur noch raus aus der Wand.

Nach weiteren 6 Seillängen kurz unter dem Ausstieg erreichten wir endlich Trittfirn und stiegen ziemlich erschöpft aber überglücklich aus der Wand aus.Der Abstieg war dann noch ganz schön weit und nach einem kurzen Zwischenstopp auf der Tabaretta Hütte kamen wir dann am späten Nachmittag endlich wieder beim Auto an.

So schnell werden wir diesen Tag mit Sicherheit nicht vergessen!

 

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